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Johannes Gutenberg - Erfinder und Medienrevolutionär
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  1. Die Erfindung Gutenbergs
  2. Von Mainz in die Welt

Von Mainz in die Welt

Die ältesten Druckereien und Verlage

Als Johannes Gutenberg im Februar 1468 starb, hatte sich seine anfangs noch geheimgehaltene Kunst des Buchdruckens schon weit verbreitet: Nicht nur in Deutschland, sondern auch bereits im benachbarten Ausland hatten eigenständige Druckereien aufgemacht.
Stellt man in Rechnung, dass Gutenbergs berühmte Bibel ja erst 1454 fertiggestellt und seitdem nur 13 Jahre vergangen waren, dann mutet die Verbreitung der Buchdruckerkunst wie ein explosionsartiges Ereignis an.
Selbst in unserem schnellebigen Medienzeitalter dauert es in der Regel etliche Jahre, bis eine gravierende Neuerung sich tatsächlich ihren Markt erobert hat, denken wir nur an die Einführung der CD.
Dabei war es eher unerwartetes Ereignis, das den Anlaß zu dieser raschen Ausbreitung gab: Nachdem schon einzelne Druckergesellen Gutenberg, der im Rechtsstreit mit seinem Geldgeber lag und schließlich sogar seine Werkstatt verlor, verlassen hatten, folgte im Jahr 1462, sechs Jahre vor dem Tod Gutenbergs, ein großer Exodus in Mainz. Der Streit zwischen dem amtierenden Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg und Adolf von Nassau, dem von Papst und Kaiser favorisierten Kandidaten, wurde ganz zeitgemäß in der Manier spätmittelalterlicher Fehden gelöst: Die Nassauer nahmen Mainz mit Gewalt ein, vertrieben den amtierenden Erzbischof samt einer beachtlichen Anzahl mißliebiger Mainzer Bürger, darunter auch etliche der in den Werkstätten von Gutenberg und seinen Konkurrenten Fust und Schöffer tätigen Drucker.
Nun war die Einrichtung einer leistungsfähigen Druckerei nicht nur sehr kapitalintensiv, sondern sie lohnte sich auch nur, wenn ein entsprechender Markt vorhanden war. Die Mainzer Drucker suchten also in den Städten Zuflucht, in denen dank regen Handelsverkehrs oder durch Universitäten bedingt ein täglicher Bedarf an Büchern bestand.
Dieser Umstand ließ die meisten Städte wenig attraktiv erscheinen - man musste unter Umständen schon relativ weit wandern. So entstanden kurz nacheinander in Heidelberg, Straßburg, Augsburg, Basel, Ulm, Nürnberg und Wien im Süden, in Köln, in Leipzig in Mitteldeutschland und im norddeutschen Lübeck Druckereien. Auch Bischofssitze wurden zu Druckorten, denn dort herrschte immer Bedarf an liturgischer Literatur: Würzburg, Regensburg, Bamberg, Freising, Eichstätt, Passau, Münster, Merseburg, Breslau, Schwerin und Meißen erhielten so frühzeitig Druckwerkstätten.

Deutsche Medientechniker im Ausland

Im Kloster Santa Scolastica im italienischen Subiaco wurde das erste jenseits der Alpen gedruckte Werk schon 1465 fertiggegestellt. Es war von Konrad Sweynheym und Arnold Pannartz gedruckt worden. Sweynheim, der ursprünglich Kleriker in Erzdiözese Mainz gewesen war, hatte vermutlich schon 1462 in der Fust-Schöfferschen Druckerei in Mainz das Druckhandwerk gelernt. Die erste von deutschen Druckern geleitete Offizin in Rom entstand 1464/65. Und wieder waren Sweynheim und Pannartz zusammen mit einem Ulrich Han aus Ingolstadt die Drucker vor Ort in der Heiligen Stadt.
Von den über 40 Druckereien, die vor 1500 allein in Rom entstanden, befanden sich 25 in deutscher Hand. Die Verlautbarungen der Kurie, Predigten und politische Texte garantierten in Rom eine gute Auftragslage. An der Spitze Italiens stand aber Venedig: 150 Druckereien produzierten bis ca. 1500 etwa 4500 Buchtitel und andere Druckerzeugnisse. Der erste in Venedig war ein Johannes de Spira (= von Speyer), der für 1460/61 in Mainz erwähnt wird. 1469 erschien in der Lagunenstadt das erste Buch, ganz klassisch: Cicero, "Epistolae ad familiares".

Während in Italien die Kirche eine starke Antriebsfeder für den Buchdruck war, förderte in Paris vor allem der Bedarf der Sorbonne die Einführung des Buchdrucks. Professoren der "Hohen Schule" setzten dort die Bereitstellung von Geldmitteln für die Einrichtung einer Druckerei durch und holten drei deutsche Drucker der zweiten Generation aus Colmar, Konstanz und Straßburg.
Im Süden Frankreichs fanden sich einige Wanderdrucker aus Deutschland, die zum Teil auch über die Pyrenäen nach Spanien überwechselten. Johannes Numeister war einer der Ersten: Er hatte zuerst den Buchdruck nach Foligno in Italien gebracht (seit 1470), wandte sich dann nach Perugia und ging später nach Albi und Lyon in Frankreich.
Im spanischen Valencia nahm 1473 der Kölner Drucker Lambert Palmart den Betrieb auf; schon 1490 erschien dort in der Druckerei des Zwickauer Druckers Nicolaus Spindeler in valencianischer Sprache das erste Werk lokaler Prägung, der Ritterroman "Tirant lo Blanch".
Um 1500 gab es in Europa schon rund 260 Orte mit rund 1120 Druckereien, die innerhalb von vier Jahrzehnten immerhin 30.000 Werke herausgegeben und 20 Millionen Exemplare gedruckt hatten.
Nach mehreren Jahrtausenden handschriftlicher Überlieferung war dies ein Medienwechsel, dessen Bedeutung mit der Entwicklung der elektronischen Medien in unserer Zeit zu vergleichen ist.
Und was ist nach rund 450 Jahren aus der Erfindung geworden: Auf der 49. Internationalen Buchmesse in Frankfurt wurden im Oktober 1997 wieder von mehr als 9.500 Verlagen mehr als 320.000 neue Titel vorgestellt.

Christoph Schlott
Team "Mainz. Gutenberg 2000"